Im Vorstand jeder kantonalen Jungpartei ist mindestens eine Frau vertreten. Die sechs Frauen erklären anlässlich des internationalen Frauentags, weshalb sie sich politisch einsetzen, und äussern sich zum Thema Gleichstellung.

Carmen Rogenmoser

Wir haben die Vorstandsmitglieder gefragt, weshalb sie in der Politik sind, und sie mit der Aussage der ersten Frau Landammann in Zug, Brigitte Profos-Meier, konfrontiert, die sagte: «Manchmal habe ich das Gefühl, dass die heutige Generation junger Frauen nicht mehr so sensibel ist für die subtilen Zurückstellungen durch die Männerwelt. Deshalb kämpfen sie nicht mehr so stark für die Gleichstellung, die in vielerlei Hinsicht noch nicht hergestellt ist. Ich wünsche mir, dass die Jugend sich weiterhin dafür engagiert.»

Delia Meier, Präsidentin Junge Alternative

«Ich wurde politisch aktiv, weil ich nicht tatenlos zuschauen konnte, wie wir unseren Planeten zerstören. Für mich ist es keine Frage der Wahrnehmung, sondern eine Tatsache: Frauen* sind auch heute noch massiv untervertreten in der Politik. Auch 2021 gibt es offensichtlich keine Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Nicht bestätigen kann ich die Aussage von Brigitte Profos-Meier. Die Jugend ist da, sie ist laut und aktiv und engagiert sich für eine feministische Welt!»

Katharina Büttel, Präsidentin Junge SVP

«Für den aktiven Schritt in die Politik habe ich mich erst 2020 entschieden. Vorab durfte ich in der Sozialhilfekommission in Baar die SVP vertreten. Das hat in mir mehr Interesse geweckt und so wurde ich 2020 als JSVP-Präsidentin gewählt. Das Amt macht mich stolz. Frauen in der Politik nehme ich als stark und bewundernswert wahr. Diese Bewunderung teile ich mit allen Personen, die ihr Engagement in den Dienst der Öffentlichkeit stellen. Ich glaube, viele Frauen sind sich absolut bewusst, dass sie die gleichen Chancen und Rechte haben. Die Pflichten-Seite ist noch nicht ganz ausgeglichen (Militär, Rentenalter). Die Linke versucht immer noch, Frauen als schwach und hilfsbedürftig darzustellen. Das Thema Feminismus wird im Kontext links-sozialistischer Ideologie einseitig verpolitisiert. Mich und viele Frauen stört das.»

Jeannine Arbter, Vorstand Jungfreisinnige

«Über politische Themen zu sprechen, ist spannend und bringt uns weiter. Das macht mir Spass. Frauen nehmen zunehmend wichtige politische Rollen und die damit verbundene Verantwortung ein. Bei den Jungfreisinnigen Zug konnten wir einige junge Frauen gewinnen, welche sich hervorragend engagieren. Diese Entwicklung begrüsse ich sehr und bin überzeugt, dass wir Frauen in der Politik noch mehr an Stärke gewinnen werden.»

Laura Anderrüthi, Präsidentin Die Junge Mitte

«Mir ist es ein grosses Anliegen, junge Erwachsene für die Politik zu motivieren. Aufzuzeigen, dass wir mitreden können und dies auch sollten. Da ich selber eher etwas Mühe mit den polarisierenden Parteien habe, mache ich mich für die Junge Mitte stark und möchte zeigen, dass es oft einen Mittelweg braucht, wir aber gerne offen sind für verschiedene Meinungen und offene Diskussionen. Ich nehme immer mehr Frauen um mich wahr. Bei uns sind vier von sieben Vorstandsmitgliedern weiblich. Auch wenn ich mit anderen Jungparteien zu tun habe, sehe ich eine sehr gute Balance. Bei den etwas ‹reiferen› Politikern dürften es sicher noch etwas mehr Frauen sein. Ich finde es wichtig, dass die Frauen weiterhin für die Gleichstellung kämpfen. Meine Generation und Jüngere hatten die aktuellen Rechte und Pflichten schon immer. Wir mussten uns diese nicht erkämpfen. Es ist wichtig, dass auch jungen Frauen bewusst ist, was unsere Mütter und Grossmütter für uns erbracht haben.»

Kim Häcki, Vorstand Junge Grünliberale

«Ich habe mich entschieden, politisch aktiv zu sein, da ich die Zukunft mitgestalten wollte. Es ist wichtig, eine Politikerin oder einen Politiker aufgrund der Fähigkeiten zu wählen und nicht aufgrund des Geschlechts. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Waage zwischen Kandidatinnen und Kandidaten ausgeglichen sein sollte. Dass sich dies nicht nur in den Parlamenten, sondern auch in zahlreichen Parteien noch nicht widerspiegelt, zeigt eindeutig, dass weiter daran gearbeitet werden muss. Die Aussage von Brigitte Profos-Meier kann ich nicht vorbehaltlos bestätigen. Die Gleichstellung umfasst weitere Aspekte als nur die Gleichberechtigung der Frauen. Etwa müsste das Pensionsalter angeglichen und für den Militärdienst eine geeignete Lösung gefunden werden.»

Ronahi Yener, Präsidentin Juso

«Ich wurde mit 16 Jahren politisch aktiv. Meine Eltern mussten aus ihrer Heimat flüchten, da sich mein Vater für die Selbstbestimmung und Gleichberechtigung von Kurdinnen und Kurden in der Türkei einsetzte. Somit wurde ich schon im eigenen Haushalt früh indirekt politisiert. Auch durch mein Umfeld wurde ich sensibilisiert auf die fehlende Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Frauen nehmen wichtige Rollen in der Politik ein. Der Aussage von Brigitte Profos-Meier stimme ich nicht zu. Frauen, vor allem junge, setzen sich heute stark ein. Sie sind auf jeglichen Ebenen engagiert. Es liegt auch am Rest der Gesellschaft, ihnen diesen Platz, den sie verdient haben, zu geben.»

Zuger Zeitung 08/03/2021

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